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Aktuelles

26.5.2016:    Plasmid-gebundene Colistin-Resistenz jetzt auch in USA

Anfang diesen Jahres wurde das Colistin-Resistenzgen MCR-1 zunächst in China, dann auch in verschiedenen europäischen Ländern, u.a. in Deutschland, nachgewiesen werden. Jetzt berichten Forscher von entsprechenden Nachweisen in den USA ( "Escherichia coli Harboring mcr-1 and blaCTX-M on a Novel IncF Plasmid: First report of mcr-1 in the USA" ). Die betroffene Patientin war in den letzten 5 Monaten nicht auf Reisen gewesen.

 


Unser Kommentar:


Das sind alarmierende Nachrichten !  Colistin ist in Deutschland nach wie vor eines der am häufigsten eingesetzten Antibiotika im Stall. Bei einer Untersuchung von Antibiotika in der konventionellen Putenmast in NRW 2013 ( LANUV-Fachbericht 58 ) stellte sich heraus, dass 92,8% aller Puten  antibiotisch behandelt wurden. Unter den vier am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen befanden sich mit Colistin und Enrofloxacin zwei Wirkstoffe aus Substanzklassen, die erhebliche Bedeutung für den Menschen haben und als sog. „Reserveantibiotika“ bezeichnet werden.  Ein Verbot dieser Antibiotikaklassen in der Tierhaltung ist überfällig !

Der JIACRA Report, der u.a. vom ECDC im Januar 2015 veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Verbrauch von Colistin in den EU-Ländern ca. 500 mal höher bei Tieren als beim Menschen ist: im Jahre 2014 wurden sage und schreibe 500 Tonnen Colistin in der Nutztierhaltung eingesetzt – dagegen nur eine Tonne in der Humanmedizin. Daten zum Einsatz in der Nutztierhaltung: 177 t in Spanien, 133 t in Italien, 124 t in Deutschland, 50 t in Frankreich.


Einen Bericht von Spiegel Online vom 27.5.2016 zu diesem Thema finden Sie hier.

Colistin-Resistenz beschäftigt jetzt auch die Europäische Arzneimittelagentur

Die Pharmazeutische Zeitung online meldet am 12.1.2016:

Nach dem Auftauchen eines übertragbaren Resistenzgens gegen das Reserveantibiotikum Colistin bei Nutztieren will die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) jetzt ihre Empfehlung zum Einsatz des Wirkstoffs in der Tierhaltung überarbeiten. Colistin wird in der Veterinärmedizin vor allem zur Behandlung von Darmerkrankungen bei Nutztieren verwendet. Die EMA sprach sich bereits 2013 gegen den prophylaktischen Einsatz des Polypeptid-Antibiotikums aus. Die Anwendung soll demnach auf die Behandlung erkrankter Tiere und solche, die mit ihnen Kontakt hatten, beschränkt bleiben. Die Restriktion soll verhindern, dass sich gegen das Antibiotikum, das beim Menschen als Reservesubstanz gegen Carbapenem-resistente Enterobakterien dient, Resistenzen entwickeln und verbreiten.

 
Um zu überprüfen, ob die Empfehlung angesichts der neuen Entwicklung ausreicht, tritt nun das Expertengremium erneut zusammen, das diese 2013 aussprach. Mit einem Ergebnis ist laut EMA innerhalb der kommenden sechs Monate zu rechnen. Das Colistin-Resistenzgen MCR-1 war zunächst bei Schweinen und Schweinefleisch sowie bei Hühnchen in Südchina nachgewiesen worden, danach auch innerhalb der Europäischen Union. Den Anstoß zur Überarbeitung der EMA-Empfehlung gab daraufhin die Europäische Kommission.
 

8.1.2016: Auch in Deutschland: Colistin-Resistenzgen nachgewiesen ! 

 

Wie nach den besorgniserregenden Nachrichten aus China und nachfolgend aus verschiedenen europäischen Ländern zu befürchten war, ist das Colistin-Resistenzgen mcr-1 jetzt auch in verschiedenen Proben in Deutschland nachgewiesen worden.

Die Tierärztliche Hochschule Hannover berichtet dazu:

"Neues Resistenzgen nachgewiesen - Der von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) koordinierte Forschungsverbund RESET hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ein übertragbares Resistenzgen auch in Deutschland entdeckt.

Berichte über bakterielle Erreger, die sich nur erschwert mit Antibiotika behandeln lassen, häufen sich in den vergangenen Jahren. Besonders problematisch sind Erreger aus der Familie der Enterobakterien, die gegen eine Vielzahl von antibiotischen Wirkstoffen resistent sind. Kommt auch noch eine Resistenz gegen Antibiotika der Carbapenemgruppe hinzu, bleiben für die Therapie nur noch wenige Alternativen. Das Polypeptid-Antibiotikum Colistin ist eines der wenigen verbliebenen Antibiotika, das gegen Infektionen mit diesen multi- und Carbapenem-resistenten Erregern aus der Familie der Enterobakterien noch wirkt. Im November 2015 veröffentlichten chinesische Wissenschaftler die Entdeckung eines neuen Resistenzgens. Bakterien, die das Gen mit dem Namen mcr-1 tragen, werden unempfindlich gegenüber dem Antibiotikum Colistin. Besonders alarmierend ist, dass das neu entdeckte Resistenzgen zwischen verschiedenen Bakterienstämmen übertragbar ist und sich so theoretisch leicht verbreiten könnte."

    

Originalveröffentlichung

Deutsches Ärzteblatt 19.11.2015: Antibiotika: Plasmid-gebundene Colistin-Resistenzen in China entdeckt


Hühner und Schweine sind in China zunehmend mit einer Variante des Darm­bakteriums E. coli besiedelt, die resistent gegen Colistin ist, dem bei manchen Keimen letzten wirksamen Antibiotikum. Das Resistenzgen befindet sich laut einer Studie auf einem stabilen Plasmid, so dass unterschiedliche Bakterien-Spezies es austauschen können. In einer Klinik in China ist es bereits zu Infektionen gekommen, die sich, so eine Befürchtung der Autoren, global ausbreiten könnten.

Colistin gehört zu den Polymyxinen, die Ende der 1950er Jahren entwickelt wurden, wegen ihrer Neuro- und Nephrotoxizität jedoch lange Zeit nicht beim Menschen ein­gesetzt wurden. Dies hat sich nach der Ausbreitung von Carbapenem-resistenten Enterobakterien geändert. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Colistin seit 2012 wieder zu den unverzichtbaren Medikamenten in der Humanmedizin.

In der Viehzucht wurde Colistin in den letzten Jahrzehnten unvermindert eingesetzt.

Weitere Links zum selben Thema:


Abstract der Studie im Lancet

Pressemitteilung des Lancet

Spiegel Online

SUS - Magazin für Schweinezucht und Schweinemast



Resistenzen gegen Colistin auch mehrfach in Europa nachgewiesen !


 

Am 3. Dezember wurde aus Dänemark nach einer ausgedehnten Nachuntersuchung der gespeicherten Genome von über 3000 E. coli Stämmen aus einer „Whole genome sequencing“-Datenbank ein E. coli-Isolat mit MCR-1 Gen von einem dänischen Patienten mit einer Sepsis aus dem Jahre 2015 nachgewiesen. Darüber hinaus wurde das MCR-1 Gen auch in fünf E.coli Isolaten aus importiertem Hühnchenfleisch aus den Jahren 2012 bis 2014 gefunden. Damit ist die erste Plasmid-mediierte Resistenz gegen Colistin bei E. coli sowohl in einem Patienten als auch in Lebensmitteln in Europa detektiert worden. 

Hier geht es zur dänischen Studie.


 

Auch in den Niederlanden wurden jetzt erste Keime nachgewiesen, die gegen das hoch wirksame Reserveantibiotikum Colistin resistent sind, berichtet der niederländische Online-Informationsdienst Agri Holland. Erst vor kurzem hatten chinesische Forscher von Darmbakterien berichtet, denen selbst Colistin nichts mehr anhaben kann. Die Keime trugen alle Plamide mit dem Gen MRC-1 in sich. Experten gehen daher davon aus, dass sich das Resistenzgen exakt auf diesen Plasmiden befindet, einer Art mobiler DNA. Und das macht die Sache so gefährlich, denn Plasmide können schnell kopiert und die Resistenz daher fix von einer Bakterienart auf eine andere übertragen werden.
Lesen Sie hier einen Bericht in topagrar, 28.12.2015

In Großbritannien wurden Colistin-Resistenzen in Schweineställen gefunden.
Lesen Sie hier den Bericht von Pig World, 22.12.2015

Internationale Konferenz  "Antibiotics and Farming: Prescriptions for a Change"

London 14 April 2016


Die britischen Organisationen "Alliance to Save Our Antibiotics" und MEDACT veranstalteten in diesem Jahr die zweite internationale Konferenz zum Thema "Antibiotika in der Landwirtschaft". Redner aus Großbritannien, Holland, Schweden und Dänemark beleuchteten in ihren Vorträge das Thema. 


Genereller Tenor:


  • "Bakterien sind intelligent. Sie wehren sich gegen Antibiotika durch Bildung von Resistenzen. Je mehr Antibiotika und je breiter deren Anwendung, desto mehr Resistenzen; unabhängig davon, in welches System diese Antibiotika gegeben werden."
  • "Wenn keine dramatische Kehrtwende eintritt, werden wir in 15-20 Jahren keine wirksamen Antibiotika mehr zur Verfügung haben."

Die Vorträge der Konferenz finden Sie hier.

Resistente Krankheitserreger: Forscher fürchten Millionen Tote jährlich

SPIEGEL ONLINE 20.5.2016: Dass Bakterien nicht mehr auf Antibiotika reagieren, ist ein wachsendes Problem. Forscher stellen einen Zehn-Punkte-Plan vor, um es anzugehen - sonst droht aus ihrer Sicht ein Schreckensszenario.  Den Artikel lesen Sie hier.

Mangelnde Hygiene in den Schlachthöfen, Gefahr lauert im Geflügelfleisch

12.4.2016, Der Weserkurier berichtet:

Ohne die Öffentlichkeit zu informieren, wurde das Zoonosen-Monitoring 2014 veröffentlicht. Und der Report über Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, hat es in sich. Keine Pressemitteilung, kein Hinweis auf der Internetseite. Ohne die Öffentlichkeit zu informieren publizierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vor Kurzem das Zoonosen-Monitoring 2014. Dabei hat es der gemeinsame Report des Bundes und der Länder über Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, in sich. Die Verfasser des 71 Seiten langen Berichtes warnen vor einem Gesundheitsrisiko durch mangelnde Hygiene beim Schlachten von Hähnchen und Puten. Dabei geht es vor allem um die zunehmende Resistenz von Keimen gegen Antibiotika. Niedersachsen ist wegen seiner hohen Nutztierdichte besonders betroffen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel  

hier

Den vollständigen Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) finden Sie

hier

EU-Parlament entscheidet sich für wesentlich strikteres Vorgehen gegen Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft, insbesondere bei Reserveantibiotika

10.3.2016

Nach dem eindeutigen Votum im EU-Ausschuss ( s.unten ) beschloss das Europäische Parlament am 10. März in der Plenarsitzung in Straßburg einen Bericht zur neuen europäischen Tierarzneimittelverordnung. Das Parlament forderte eine stärkere Rolle für vorbeugende Maßnahmen und entschärfte die von der Kommission geplanten Einschränkungen für den Einsatz von naturheilkundlichen und homöopathischen Tierarzneimitteln.

Insbesondere beschlossen die EU-Parlamentarier:

(33) Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe bei Human- und Tierarzneimitteln ist ein wachsendes Gesundheitsproblem in der Union und weltweit, weswegen alle einschlägigen Akteure eine gemeinsame Verantwortung tragen.

Viele der Tieren verabreichten antimikrobiellen Mittel werden auch beim Menschen eingesetzt. Einige dieser antimikrobiellen Mittel sind unabdingbar für die Verhütung oder Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen beim Menschen, und ihr Einsatz bei Tieren sollte verboten werden, ob er unter die Zulassungsbedingungen fällt oder nicht.

Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe zu bekämpfen. Es muss sichergestellt werden, dass Maßnahmen sowohl im Human- als auch im Tierbereich verhältnismäßig angewendet werden, und dass auf den Etiketten von antimikrobiellen Human- und Tierarzneimitteln geeignete Warnungenund Anleitungen erscheinen. Die Werbebestimmungen für antimikrobielle Tierarzneimittel sollten strenger gefasst werden, und in den Zulassungsanforderungen sollte hinreichend auf Risiken und Nutzen antimikrobiell wirksamer Tierarzneimittel eingegangen werden.

(34a) 

Der routinemäßigen prophylaktischen und metaphylaktischen Verwendung von antimikrobiellen Wirkstoffen bei Gruppen zur Lebensmittelgewinnung dienender Tiere sollte ein Ende gesetzt werden. Krankheiten sollten nicht durch routinemäßigen Rückgriff auf antimikrobielle Wirkstoffe, sondern durch gute Hygiene, gute Haltung und Unterbringung und angemessene Bewirtschaftung verhütet werden.

 

Die Details des EU-Verfahrens finden Sie hier,  sowie den angenommen Text hier.

EU-Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beschließt drastische Verschärfung des Tierarzneimittelrechts.

 

17.2.2016 

Der Ausschuss hat mit großer Mehrheit (60:2) für eine drastische Verschärfung des Tierarzneimittelrechts gestimmt. Der Beschluss sieht unter anderem vor, dass bestimmte Antibiotika, die bei Menschen als letztes Mittel eingesetzt werden (Reserveantibiotika), in der Tiermedizin nicht mehr oder nur unter besonders strengen Bedingungen eingesetzt werden dürfen. 

Antibiotika sollen nicht prophylaktisch verabreicht werden. Auch die Herdenbehandlung mit Antibiotika soll nur allerletztes Mittel der Wahl sein. Außerdem soll der Internethandel mit Antibiotika für Tiere komplett untersagt werden. 

Darüber hinaus soll, wie dies in Deutschland schon 2013 eingeführt wurde, die Antibiotikagabe in der Landwirtschaft systematisch erfasst werden. Betriebe die beim Antibiotikaeinsatz über dem Durchschnitt vergleichbarer Betriebe liegen, müssen eine Reduktionsstrategie durchführen. 

Der Beschluss soll bereits im April im Plenum verabschiedet werden. Eine Annahme gilt aufgrund des breiten Konsenses im Ausschuss als sicher. Anschließend muss das Thema mit Vertretern der Mitgliedstaaten endgültig verhandelt werden. 

Details hier...

EFSA (European Food Safety Authority) und ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) warnen vor zunehmenden Antibiotikaresistenzen in Europa

 

11.2.2016: 

Bakterien bei Menschen und Tieren sowie in Lebensmitteln zeigen weiterhin Resistenzen gegenüber den am häufigsten eingesetzten antimikrobiellen Substanzen, so der jüngste Bericht über Antibiotikaresistenzen bei Zoonosebakterien in Europa. Wissenschaftler warnen, dass die Resistenz von Campylobacter gegenüber Ciprofloxacin, einem Antibiotikum von besonderer Bedeutung für die Behandlung von Infektionen beim Menschen, sehr hoch ist, was die Optionen zur wirksamen Behandlung von schweren Lebensmittelinfektionen einschränkt. Multiresistente Salmonella-Bakterien breiten sich immer weiter in Europa aus. 

Die Ergebnisse dieses jüngsten europaweiten Jahresberichts der EFSA und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) unterstreichen einmal mehr, dass Antibiotikaresistenzen ein ernst zu nehmendes Risiko für die Gesundheit von Mensch und Tier darstellen. Die Europäische Kommission hat dieses Risiko zu einem der wichtigsten Schwerpunkte ihrer politischen Agenda im Bereich der Lebensmittelsicherheit erklärt.

Mehr..

Germanwatch: Mehr Reserveantibiotika im Kuhstall – Hohes Risiko von Resistenzen

Germanwatch-Recherche: 80 Prozent der Milchkühe erhalten regelmäßig Antibiotika, jede zehnte Behandlung erfolgt mit für den Menschen besonders wichtigen Reserveantibiotika, die benötigt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken.

 

Rund 80 Prozent der Milchkühe in Deutschland erhalten Antibiotika vor der Geburt des jeweils nächsten Kalbes, jede zehnte Behandlung erfolgt mit sogenannten Reserveantibiotika. Diese Größenordnung - sie ergibt sich aus Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) - ist nach Einschätzung von Germanwatch besorgniserregend. Reserveantibiotika kommen in der medizinischen Behandlung von Menschen besonders dann zum Einsatz, wenn andere Antibiotika - wegen bereits entwickelter Resistenzen - nicht mehr wirken. Ein steigender Einsatz von Reserveantibiotika im Kuhstall erhöht die Gefahr, dass sich bei Kühen gegen diese "letzten Mittel" resistente Keime entwickeln, die dann auch auf Menschen übertragen werden können. Bereits heute sterben in Deutschland mehr als 15.000 Menschen pro Jahr, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken.


 

Studie: Reserveantibiotika in der Milcherzeugung in Deutschland

 

WDR Doku über Gülle "Uns stinkt's - die Mistrevolte" 18.11.2015

Die Doku "Uns stinkt's! Die Mistrevolte" von Renate Werner zeigt den Widerstand der Menschen gegen die Gülle-Tanker, die Mist aus den Güllehochburgen Münsterland, Niedersachsen und auch aus Holland in die Eifel bringen. Ein legaler, aber wenig kontrollierter Handel, der entstand, weil es in viehstarken Regionen zu viel Gülle, aber zu wenige Felder gibt. 


 

Robert-Koch-Institut 16.11.2015: Gute Trends, schlechte Trends - Antibiotikaresistenzen in Deutschland

Antibiotikaresistenzen erschweren die Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten und verursachen zusätzliches Leid und Kosten. Eine europäische Vergleichsstudie, zu der auch das Robert Koch-Institut Daten beigetragen hat, zeigt, dass die Situation bei Antibiotikaresistenzen in Deutschland noch vergleichsweise weniger angespannt ist als in vielen anderen europäischen Staaten. "Dennoch gibt es auch in Deutschland deutlichen Verbesserungsbedarf und neben positiven Entwicklungen auch problematische Trends, die unbedingt gestoppt werden müssen", betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Europäischen Antibiotikatags am 18. November.


Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2.11.2015: "Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft rückläufig, Antibiotikaresistenzen stagnieren"


Auf dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veranstalteten internationalen Symposium „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette“ am 2. und 3. November 2015 diskutieren über 200 Experten darüber, wie Antibiotikaresistenzen in der Veterinär- und Humanmedizin reduziert werden können. „Eine positive Erkenntnis aus unseren Studien ist, dass antibiotikaresistente Keime in der Lebensmittelkette nicht weiter zunehmen. Der negative Trend der letzten Jahre hält somit nicht weiter an“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Jetzt ist es wichtig, die Ursachen für diesen ersten erfreulichen Befund zu finden und weitere Maßnahmen zu ergreifen.“ Eine mögliche Ursache für die verminderte Anzahl antibiotikaresistenter Keime in Lebensmitteln könne sein, dass der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft rückläufig ist. Die internationalen Experten aus den Bereichen Tierhaltung, Veterinärmedizin und Humanmedizin diskutieren auf dem Symposium unter anderem, inwiefern die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen ausreichen, beziehungsweise erweitert oder modifiziert werden müssen. Die Relevanz des Themas für Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt auch der aktuelle BfR-Verbrauchermonitor von 2015, eine repräsentative Umfrage des BfR. Demnach sind sieben von zehn befragten Verbraucherinnen und Verbrauchern wegen Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln beunruhigt.  


Lesen Sie hier mehr.


 

Die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung nimmt dazu Stellung:


Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt stagnierende Antibiotikaresistenzen bekannt:  etwas Licht, weiterhin große Schatten

  
Anlässlich des internationalen Symposiums „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittel-kette“ am 2. und 3. November 2015 teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit, dass antibiotikaresistente Keime in der Lebensmittelkette nicht weiter zugenommen haben.

Der negative Trend der letzten Jahre halte damit nicht weiter an. Eine mögliche Ursache für die verminderte Anzahl antibiotikaresistenter Keime in Lebensmitteln könne sein, dass der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft rückläufig ist.

Aus Sicht der Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung zeigt dieser erfreuliche Befund, dass die Strategie, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung einzuschränken, erste Erfolge zeigt und die Anzahl resistenter Keime unmittelbar vermindern kann. Dies unterstreichen auch Erfahrungen aus anderen Ländern wie den Niederlanden und Dänemark, die bereits vor Jahren entsprechende Maßnahmen ergriffen haben. Dieser Weg muss konsequent weiter beschritten werden.   

Alarmierend ist der bedenklich ansteigende Einsatz sogenannter Reserveantibiotika in der Tiermedizin. So hat beispielsweise die Abgabe von Fluorchinolonen seit 2011 um 50% zugenommen. Das BfR stellt dementsprechend  erschreckend hohe Resistenzraten gegen Fluorchinolone fest - im Jahre 2014  jeweils über 40% bei Hähnchen- und Putenfleisch !


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diese Wirkstoffe ( und weitere wie Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Makrolide, Glykopeptide) als besonders bedeutend für die Humanmedizin ein („Highest Priority Critically Important Antimicrobials“).

Die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung fordert das sofortige Verbot des Einsatzes dieser Antibiotikaklassen in der Tierhaltung.

 

Brandenburgisches Ärzteblatt 7-8/2015: "MULTIRESISTENTE KEIME - Eine Fallgeschichte"

von Dr. med. Knut Horst, FA Allgemeinmedizin, Falkensee, und Prof. Dr. med. Ulrich Schwantes, Oberkrämer


„Frau K. suchte wegen Fieber und Rückenschmerzen ihre Hausärztin auf. Bei der Untersuchung fand sich ein Klopfschmerz im Bereich eines Nierenlagers. Der Urinstix war positiv auf Erx, Leuko und Nitrit. Frau K. erhielt unter dem Verdacht auf eine Pyelonephritis Cefpodoxim. Nach fehlender Besserung wurde am dritten Tag auf Ciprofloxacin umgestellt. Da auch dies keine Besserung brachte, wurde vom Urin eine Kultur angelegt. Das Ergebnis erschreckte sowohl Patientin als auch Ärztin. Der isolierte E. coli-Stamm war ein ESBL-Keim, (Extended Spectrum ß-Lactamase).“  In Deutschland wird die Ansteckung mit ESBL-Bakterien meist noch als reines Krankenhausproblem angesehen. Dabei wird die Aufnahme über Lebensmittel immer wahrscheinlicher. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA warnt: „Seit 2000 wurden in Europa und weltweit zu- nehmend ESBL/AmpC-produzierende Salmonellen und E. coli in Tieren und Lebensmitteln gemeldet. Diese resis- tenten Bakterienstämme fanden sich in allen für die Lebensmittelerzeugung wichtigen Tierarten, am häufigsten in lebenden Hühnern, Hühnerfleisch, Eiern und anderen Geflügelerzeugnissen. “

 

"Fundamente statt Säulen"

Unter diesem Titel haben Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein und Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments und Agrarsprecher der Fraktion Greens/EFA ein Plädoyer für eine Neuordnung der europäischen Agrarpolitik verfasst. Als Alternative zu den jetzigen Subventionen schlagen die Autoren eine europäische Agrarpolitik vor, deren Förderinstrumente in Zukunft am Ziel einer sozial- und tiergerechten und ökologischen Ernährungswirtschaft orientiert sind. Sie betonen, dass nur so noch in Zeiten von schuldenfinanzierten öffentlichen Haushalten, einer unterfinanzierten Bildungspolitik und 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland oder Spanien Förderungen für die Landwirtschaft in Höhe von 400 Milliarden EURO bis 2020 politisch zu begründen sein werden.

Das sehr lesenswerte Positionspapier findet sich hier.

 

Süddeutsche Zeitung, 25.8.2015:

Medikamente in der Tierhaltung - Schweigen im Saustall
Vor zwei Jahren sollte noch Transparenz geschaffen werden im Umgang mit Antibiotika in der Tierzucht in Deutschland. Davon ist wenig übrig: Das Landwirtschaftsministerium verbietet den Ländern sogar, Daten herauszugeben. Berlin will so wohl vor allem verbergen, wie lückenhaft die Datenbanken oft sind.
 

Lesen Sie hier weiter.


 

Hier können Sie den Artikel der SZ herunterladen:

 


 

Weserkurier 12.8.2015:

Mäster greifen zu neuen Antibiotika Ärzte warnen vor Folgen für Humanmedizin
15 Prozent weniger Antibiotika wurden im vergangen Jahr an Nutztiere verabreicht. Gleichzeitig aber stieg die Vergabe von sogenannten Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin. Das geht aus der neuesten Erhebung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hervor. Nach wie vor werden die meisten Antibiotika an Tiere in Niedersachsen verabreicht. Die Agrarminister der Bundesländer wollen den Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin verbieten.
 

Deutschlandfunk 31.7.2015:  

EU-Pläne gegen Antibiotika im Stall
Durch Antibiotika bei der Tierzucht bilden sich immer mehr multiresistente Keime. Das wird zu einer echten Bedrohung für den Menschen. Auch Deutschland ist hier nicht besonders fortschrittlich. Die EU möchte nun stärker dagegen vorgehen.  Lesen Sie hier weiter.


Deutschlandfunk 30.7.2015:  
Einsatz von Antibiotika "Es läuft noch Vieles schief in der Tierhaltung"
Im vergangenen Jahr wurden 15 Prozent weniger Antibiotika an Tierärzte geliefert als im Jahr zuvor. Eine erfreuliche Entwicklung, findet Martin Hofstetter von Greenpeace. Dennoch gebe es immer noch Fehlentwicklungen in der Tierzucht, sagte er im DLF, beispielsweise bei sogenannten Reserveantibiotika - deren Einsatz fatale Folgen für die Humanmedizin haben könnte. Lesen Sie hier weiter.

 

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 28.7.2015:

Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin sinkt weiter - Menge der Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen bleibt jedoch im Vergleich zum Vorjahr konstant


 

Im Jahr 2014 wurden in der Tiermedizin 214 Tonnen (ca. 15 Prozent) weniger Antibiotika abgegeben als im Vorjahr und ca. 468 Tonnen (ca. 27 Prozent) weniger gegenüber der ersten Erfassung im Jahr 2011. Das ergab die Auswertung der im Jahr 2014 zum vierten Mal erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders bedeutenden Antibiotikaklassen, Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation, hat jedoch nicht abgenommen und stagniert auf dem Niveau des Vorjahres.


 

 


 

Die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung nimmt dazu Stellung:


Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin:  etwas Licht und große Schatten

  
Am 28.7.2015 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zahlen für die Abgabemengen von Antibiotika an Tierärzte im Jahre 2014 bekannt gegeben. Gegenüber dem Vorjahr ist die Gesamtmenge in Tonnen um 15% gesunken.  Das ist zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung.
 
Nach wie vor werden aber in der Tiermedizin mit insgesamt 1.238 Tonnen erheblich mehr Antibiotika eingesetzt als in der Humanmedizin ! Notwendig sind daher verbindliche Senkungsziele. Die Niederlande haben es vorgemacht: eine Reduzierung auf 50% innerhalb von 3 Jahren ist machbar. Wir fordern entsprechend eine Zielvorgabe von 600 Tonnen bis 2018.

 
Darüber hinaus zeigen die Zahlen des BVL eine weiterhin bedenklich hohe Abgabe sogenannter Reserveantibiotika für die Tiermedizin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) stufen diese Wirkstoffe als besonders bedeutend für die Humanmedizin ein („Highest Priority Critically Important Antimicrobials“). So ist beispielsweise die Abgabe von Fluorchinolonen seit 2011 um 50% gestiegen. Auch Colistin (107 t) und die Cephalosporine 3. und 4. Generation sind aus humanmedizinischer Sicht absolut unverzichtbare Reserveantibiotika, die überhaupt nicht in der Tierhaltung eingesetzt werden dürften. Wir fordern das sofortige Verbot des Einsatzes aller Antibiotika in der WHO-Kategorie "Highest Priority Critically Important" ("Reserveantibiotika") in der Tierhaltung.
 
Die Detailanalyse des BVL zeigt außerdem eine bemerkenswerte regionale Verschiebung: während die Antibiotikaabgabe in einigen Regionen, insbesondere im grenznahen Gebiet zu den Niederlanden, überproportional abgenommen hat, ist für Brandenburg ein besonders starker Anstieg im zweistelligen Prozentbereich innerhalb eines Jahres zu verzeichnen. Dies spiegelt eindrucksvoll den massiven Ausbau der Massentierhaltung in den östlichen Bundesländern wider.

Alle älteren Beiträge finden Sie in unserem ARCHIV 

 


 


Klicken Sie auf den obigen Text, um die WHO-Liste der kritisch wichtigen Antibiotika zu sehen !